In der SZ online von heute ist ein merkwürdiger Artikel drin. Demnach ist das Auto kein Bestandteil mehr der Jugendkultur. Eigentlich war ich nur drauf aufmerksam geworden, weil da VW Käfer im Bild zu sehen waren.
Sicherlich machen wir alle die Erfahrung, dass auf Treffen nicht mehr so viele "Jungspunte" nachwachsen, was aber sicherlich daran liegt, dass der Käfer längst kein günstiges Auto mehr ist. Der Artikel geht aber wesentlich weiter. Zitat: "Die Jugendlichen sind da knallhart. Ein Auto zu besitzen, wird erst dann wieder für sie interessant, wenn es die Grundlogik der sozialen Netzwerke sinnvoll zu adaptieren versteht."
Demnach ist "Fahren" und "ein Auto besitzen" nicht mehr Ausdruck von Freiheit und Erwachsenwerden, sondern die Jugendlichen wollen Facebook und iPhone. Es reicht nicht mehr, dass ein Auto fährt. Es muss einen Mehrwert haben.
Der Autor des Artikels ist eigentlich eher ein Autor aus dem Sportbereich. Der zitierte "Trendforscher" sicherlich ein honoriger Professor, aber erstaunlicherweise oft dann über Google im www als Experte zu finden, wenn das Marketing nicht weit ist. Der ganze Artikel baut auf einer einzigen Zahl aus den USA auf (weniger neue Führerscheine bei jungen Erwachsenen). Keine Gegenmeinung. Keine kritische Nachfrage. Keine Nachfrage beim KBA nach deutschen Zahlen. Nur das unvermeidliche Dudenhöfer-Zitat als zweite Expertenmeinung. Da bleibt bei mir ein fader Beigeschmack zurück. Die prophezeite Zukunft: Der (junge) Kunde will Autos vollgestopft mit Apps.
Hier mal der
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Preisfrage: Downloaden sich die Jugendlichen auch die nächste Großstadt aufs iPhone? Oder soll hier ein Bedürfnis geschaffen werden, sodass der Autofahrer morgen schon einen Computer auf Rädern unter dem Popo akzeptiert (oder sogar will), der ihn so gründlich und unkontrollierbar ausspäht, dass Marketingstrategen die tollsten Angebote zielgenau platzieren können?
Schon jetzt späht das iPhone seine User aus, lädt einem der Computer andauernd ungefragt neueste Software runter, rufen Firmen abends an, bei denen man sich fragt, wie die schon wieder an die Nummer gekommen sind. Und jetzt soll auch noch das Auto Infos liefern? Ich finde das erschreckend. Und noch erschreckender, dass die SZ solche Artikel veröffentlicht, die so wenig eigenrecherchiert erscheinen und so den Schluss nahe legen, dass da interessierte Kreise ein weitgehend fertiges Produkt angeliefert haben, dass man in Zeiten des Kostendrucks in den Medien mal schnell als frischen Content raushaut.
Vielleicht hat mich aber auch einfach nur die Uni versaut...